Keine Bienen, keine Blüten

In den großen Flusstälern von Donau und Inn fühlen sich Wild- und Honigbienen wohl. Leuchtende Blüten locken sie mit ihren betörenden Düften an. Je mehr blüht, desto mehr Bienen fliegen. Dann finden sie ausreichend Nahrung und Pollen zum Sammeln.

Doch die Blumenwiesen werden immer weniger. Daher hat die Untere Naturschutzbehörde die Aktion „Blühendes Passauer Land“ ins Leben gerufen. So möchte man die Blühflächen erweitern, um blütenreiche Lebensräume zu schaffen. Damit Honig- und Wildbienen, aber auch andere Insekten wie Schmetterlinge und Käfer Nahrungsquellen finden.

Ohne Bienen würden ganze Felder brach liegen und die Bäume kahl bleiben. Sie erhalten unser Passauer Land sowohl als Nahrungsquelle für den Menschen, als auch mit seiner blütenreichen Landschaft. Doch Bienen sorgen noch für viel mehr. Denn die fleißigen Arbeiterinnen sammeln den Nektar der Pflanzen ein, aus dem Honig hergestellt wird.

 

Außerdem sorgen sie für Propolis, das momentan in aller Munde ist. Das natürliche Produkt besteht überwiegend aus Pflanzenharzen, die von den fleißigen Honigbienen gesammelt werden. Diese klebrig, zähe Masse ist ihr Baumaterial. Damit isolieren sie ihren Staat, halten den Bienenstock steril und schützen ihn vor sämtlichen Gefahren. Daher wird es auch Kittharz genannt. Frei übersetzt bedeutet sein griechischer Begriff so viel wie „vor der Stadt“. Denn die Bienen kleistern mit Propolis das Einflugloch zu ihrem Stock so klein wie möglich zu. So möchte man ihn vor Mäusen, Schlangen und anderen Gefahren schützen. Dringen sie dennoch ein, werden sie getötet und mit Propolis bedeckt. Sie verfallen im Inneren der Hülle nur sehr langsam. Viren und Keime haben keine Chance, denn dem Bienenprodukt wird eine antibakterielle Wirkung zugeschrieben.

 

„Propolis ist ein Sammelerzeugnis der älteren Arbeiterbienen“, sagt Günter Kunkel. Der Neuburger ist seit mehr als 20 Jahren Imker und der Vorsitzende des Bienenzuchtvereins im Passauer Land. Er beschäftigt sich viel mit den Insekten und ihrer Arbeit. „Die Propolissammlerinnen nagen harzige Absonderungen von Knospen, Blättern und Zweigen verschiedener Bäume ab und tragen die Propolis in ihren Stock“, erklärt er. Dort wird die klebrige Masse nicht einfach abgestreift so wie ein Pollenhöschen, sondern abgenagt. Dadurch fügen die Bienen körpereigene Drüsensekrete, Wachs und Pollenbalsam hinzu. So entsteht ein Harz, das mehr als 300 Komponenten miteinander vereint.

 

Es enthält Vitamine, die das Immunsystem stärken, Haut und Haare pflegen und den Stoffwechsel anregen. Ebenso wie Eisen, Kalium, Kalzium, Kupfer, Magnesium, Mangan, Selen und Zink. Dieses Konglomerat macht Propolis sehr wirksam. Was auch die alten Völker wie Inkas, Ägypter und Griechen schon wussten. Sie stellten bereits Tinkturen her mit

dem natürlichen Antibiotikum, das nicht nur Bakterien abtötet, sondern auch gegen Viren und Pilze hilft. Damit desinfizierte man beispielsweise Speer- und Pfeilwunden. Auch heute besinnt man sich wieder auf seine heilende Anwendung. Es ist sogar als Arzneimittel gelistet. Man kann es roh in Apotheken kaufen, ebenso Tinkturen, Salben und Tropfen zum Einnehmen.

Propolis wirkt heilungsfördernd und entzündungshemmend, außerdem regt es die körpereigenen Abwehrkräfte an. Daher eignet es sich zur Behandlung von oberflächlichen, kleinen Verletzungen, Entzündungen, Erkältungskrankheiten und Infektionen der oberen Atemwege.

 

Die Bienen verwandeln ihren Stock damit in einen klinisch reinen Raum und das bei Temperaturen von bis zu 35 Grad. Dort, wo ihre Brut liegt muss es schließlich besonders warm sein. Die Luftfeuchtigkeit schwankt zwischen 40 und 70 Prozent. Ein idealer Nährboden für Keime, denn in einem Stock leben rund 40.000 Bienen auf engstem Raum zusammen. Doch sie überziehen nahezu alles mit ihrem antibiotischen Stoff. Jede noch so kleine Ritze, die Waben, Zellen, Wände und die Rahmen der Imker. Letztere gewinnen die Propolis, indem sie das Kittharz regelmäßig abschaben oder durch besondere Gitter ernten. „Sein Geruch ist süßlich angenehm, aber intensiv. Man könnte es sogar im Rohzustand essen, doch die klebrige Masse bleibt an den Zähnen unangenehm haften“, sagt Günther Kunkel. Er sammelt das Bienenprodukt lieber, friert es ein und stellt einmal im Jahr eine Propoliscreme und -tinktur her – für den Eigengebrauch. Salben und Tinkturen eignen sich besonders für heilende Wunden, da sie die Haut betäuben und die Wunde desinfizieren, wirken aber auch gegen Herpes und andere Hauterkrankungen wie Akne. Eine Propolistherapie empfiehlt sich aber auch bei Erkrankungen wie Erkältungen, bei rauem Hals, Magenproblemen oder bei Verbrennungen. Eingesetzt wird es auch bei rheumatischen Erkrankungen, Nerven- und Sehnenschmerzen sowie bei muskulären Problemen oder Beschwerden der Wirbelsäule. Doch nicht jeder verträgt das Bienenprodukt. Es enthält einige Allergene, darunter Isoprenylkaffeat. Daher rät Günter Kunkel, sich vor der Anwendung in der Apotheke genauer zu informieren.

 

Doch nicht nur wegen des natürlichen Heilmittels sollte man die Bienen besonders schützen. Denn „das wichtigste an der Biene sind nicht die Pollen, der Honig oder die Propolis, sondern die Bestäubung. Viele Milliarden Euro werden unserer Volkswirtschaft durch die Bestäubung der Bienen beigesteuert. Ohne Bienen hätten wir ganz wenig Obst und Gemüse, daher müssen wir nicht nur auf die Honigbienen schauen, insbesondere die Wildbienen tragen den größten Teil zur Bestäubung der Pflanzen bei“, appelliert Günter Kunkel. Zum Erhalt der Bienen kann jeder Einzelne beitragen, der einen Garten oder Balkon besitzt. Statt auf Steinwüsten vor der Haustür sollte man auf Blumen und Pflanzen setzen. Denn in ihren Blüten finden die fleißigen Insekten Nahrung. „Außerdem sollte man möglichst kein Gift spritzen. Ein Insektizid macht keinen Unterschied zwischen Schädling und Biene“, so der Imker.

 

Ökologisch sinnvoll angelegte Gärten tragen dazu bei, die Bienen zu erhalten. Rotklee, Weißklee und Löwenzahn bieten über einen langen Zeitraum Nektar und Pollen, was spricht schon dagegen, ruhig mal eine wilde Ecke im Garten stehen zu lassen wo Blumen und Gräser blühen dürfen. Die Natur wird es danken.